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Zeit ist die billige Art der Führung

Vergangene Woche habe ich mich mit einer Kommunikationsberaterin zum Thema Führung, Herausforderungen in der aktuellen Situation und natürlich Kommunikation ausgetauscht. Und wir haben dann natürlich auch über Führung gesprochen (gar sprechen müssen).

Vergangene Woche habe ich mich mit einer Kommunikationsberaterin zum Thema Führung, Herausforderungen in der aktuellen Situation und natürlich Kommunikation ausgetauscht.Dabei kamen wir auch auf Probleme zu sprechen, mit denen sich Unternehmen gerade auseinander setzen müssen (Siehe Beitrag „Bitte, bitte anders machen“). Und wir haben dann natürlich auch über Führung gesprochen (gar sprechen müssen). Und da gibt es durchaus ein Thema, das nicht nur jetzt, sondern fast immer ein großes Problem ist: die Zeit als die einfachste Art der Führung zu verwenden.

Das Problem mit der Zeit

Zeit wird gerne als Führungsmittel verwendet: darüber wird versucht Menschen zu steuern, zu bewerten und daraufhin auch zu planen. Der Ursprung ist die erste industrielle Revolution. Zeit wurde eingeführt, damit Menschen in Fabriken ihrer Arbeit nachgehen konnten und dies gemessen werden konnte (hier geht es zu mehr Details). Diese „Zeitmessung“ ist heute noch sehr stark ausgeprägt.

Führung

Zeit wird heute immer noch gerne als das erste Messkriterium im Arbeitsalltag herangezogen. Das kann in bestimmten Bereichen durchaus funktionieren. Ein Gedanke: stellt euch einmal ein Unternehmen vor. In diesem Unternehmen wird eine Person neu in eine Führungsrolle befördert. Diese Person hat keine Erfahrung in der Führung. Vielleicht hat sie die Rolle nur erhalten, weil diese Person Experte in ihrem Bereich ist (Vergleiche das „Peter-Prinzip“). Diese Person muss sich nun mit den neuen Aufgaben auseinandersetzen und das Spielfeld entsprechend ausrichten. Zeit ist da ein tolles Mittel, um als erstes Messinstrument verwendet zu werden. Zeit kann nämlich generisch eingesetzt und Aufgaben so gemessen werden. Und es erleichtert, denn die Person muss sich nicht auf die Inhalte, die vielleicht nicht bekannt sind, einlassen. Oder sich mit den Menschen im Detail befassen – denn die Zeit ist ja die feste und messbare Größe! Genau hier wird deutlich, dass Zeit oft als Führungsmittel von Menschen verwendet wird, die mit der Führungsrolle nicht umgehen können. Der zu führende Mensch, die Inhalte und auch das Ergebnis rücken damit in den Hintergrund. Aufgaben werden nicht inhaltsorientiert, sondern zeitgesteuert bearbeitet.

Das Problem

Genau das ist das Problem: wenn eine eigentliche Führungskraft nicht in der Lage ist zu führen, sei es aus inhaltlicher oder aus persönlich geeigneter Sicht, dann wird nach Zeit geführt. Zeit wird damit zur billigen Art der Führung! Billig deswegen, weil prinzipiell jeder Mensch anhand dessen führen kann. Das ergibt dann Zeitmanagement als Führungsstil von anderen Menschen. Auch wird Zeit gerne verwendet, wenn noch kein Vertrauen vorhanden ist. Gerade in der aktuellen Situation höre ich sehr oft, dass Führungskräfte eigentlich ein Problem mit Home Office haben (ja, immer noch!). Denn es mangelt oft an Vertrauen. Zeit (auch die Zeit, die Menschen im Büro sind – siehe „Das ist mein Leben“ ) ersetzt das fehlende Vertrauen und gibt der führenden Person eine gewisse Art von Sicherheit.

„Zeit wird damit zur billigen Art der Führung!“

Dabei rücken aber die zu führenden Menschen in den Hintergrund. Individuelle Stärken, Eigenständigkeit, mitdenken, Kreativität, Raum für anderes Denken – das fällt alles runter.

Andere Führung

Wie ich schon erwähnte, kann Zeit durchaus hilfreich sein. Unterstützend. Sie darf aber nie einen elementaren Bestandteil in einer Führungsmethode einnehmen. Damit verliert man das individuelle Anders- und Freidenkende – man verliert den Menschen! Führung bedeutet also weit mehr als das Management von Zeit! Führung ist eine tiefgreifende Aufgabe, mit entsprechender Verantwortung für andere Menschen.

„Damit verliert man das Individuelle Anders- und Freidenkende – man verliert den Menschen!“

Führung bedeutet Arbeit. In erster Linie Arbeit an sich selbst und Arbeit mit anderen Menschen. Genau dessen sollte sich jede Führungskraft bewusst sein. Führung bedeutet auch, dass man dies lernen muss. Umgang mit anderen Menschen ist der Schlüsselfaktor, um erfolgreich führen zu können. Zeit verschwindet dann in den Hintergrund und wird durch Vertrauen ersetzt.

Über Stefan

Ich erarbeite mit Menschen in einer Organisation ein einheitliches Verständnis für Innovationen. Dabei befähige ich sie zur individuellen Innovation und setze dafür einfache und praxisnahe Werkzeuge ein. Die nachhaltige Verankerung ist ein wichtiger Baustein für die Unternehmenskultur und Zukunft. Alle Ansätze tragen zur Verbesserung einer (Arbeits-) Welt bei, sodass Wissen geteilt wird, Menschen sich auf emotionaler Augenhöhe begegnen und Organisationen sich miteinander austauschen und partnerschaftlich zusammen arbeiten. "Was mich antreibt: ich will die Welt besser machen. Dabei will ich aber nicht in den Geschichtsbüchern stehen. Ich will andere Menschen dazu befähigen, dass sie es können!"

4 Kommentare zu “Zeit ist die billige Art der Führung

  1. Klasse Artikel! …und wenn das Thema Zeit nicht mehr greift kommt das Führen über Zielvorgaben. Was in beiden Fällen fehlt sind die Themen Vertrauen und Motivation. Vertrauen udn Motivation sollten die ersten Führungsstile sein, dann erst Zeit und Ziele.

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  2. Zeit und Ziele sollten bei einer Führungskraft (bin schon am Beitrag zu den unterschiedlichen Führungstypen) meist erst gar nicht im Fokus sein. Inhalte sind relevant. Und dazu gehört dann automatisch Vertrauen.

    Liken

    • Ganz genau! Ich finde Motivation neben Vertrauen aber auch sehr wichtig… oft sehen wir nämlich nur De-Motivation und da ist jeder intrinsisch motivierte Mitarbeiter plötzlich extrinsisch demotiviert.

      Gefällt 1 Person

  3. Pingback: Vorgesetzt – Veraenderung Starten

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