Kultur Veränderung

Stellengesuche – Spiegel der Unternehmenskultur

In diesem Beitrag wird es um Stellenausschreibungen gehen. Stellenausschreibungen, die der Spiegel der Unternehmenskultur sind.

Der eigentliche Titel lautet: „Spieglein, Spieglein an der Wand, wer hat die schönste Unternehmenskultur im Land?“ – war aber zu lang.

In diesem Beitrag wird es um Stellenausschreibungen gehen. Stellenausschreibungen, die der Spiegel der Unternehmenskultur sind.

Karriereseiten

In den letzten Wochen habe ich über einhundert Karriereseiten und die darauf befindlichen Stellenausschreibungen gelesen. Diese habe ich mir immer unter dem Aspekt der Unternehmenskultur angeschaut: welche Informationen gibt es über die Kultur? Passen die Stellengesuche zur Kultur (bspw. wird von „familiären Miteinander“, „offener Kultur“ und „jungem Team“ gesprochen, dann aber in der Ausschreibung das „Sie“ verwendet und sehr konservativ stichpunktartig gesucht?), wie wird die Kultur an sich dargestellt und wie wird nach neuen Menschen für das Unternehmen gesucht?

Meine Motivation

Ich selbst habe das getan, weil Unternehmenskulturen eine Herzensangelegenheit von mir sind. Nicht die Kultur an sich! Sondern das menschliche Miteinander. Wenn mir Menschen berichten, dass sie nur des Geldes wegen arbeiten („Von irgendwas muss man ja leben“), dann macht mich das traurig. Genau solche Aussagen sind dann aber eben ein Teil der Unternehmenskultur. Und dies findet sich auf den Seiten auch in den Stellengesuchen wieder. Sie sind also tatsächlich der Spiegel der Unternehmenskultur!

Ich mache aber auch keinen Hehl daraus, dass ich hier unterstützen kann, dies zu verändern. Auch dazu habe ich, aufgrund eines Feedbacks, den Beitrag „Ich bin Vertrieb“ geschrieben.

Die Punkte

Ich habe mir die Gesuche nicht inhaltlich angeschaut – dies zu analysieren wäre noch weitaus zeitaufwendiger gewesen. Ich habe mich also nur auf die krassen Unterschiede konzentriert. In einem Beitrag zu Stellenausschreibungen habe ich schon mal auf Diversität hingewiesen. Dies war natürlich mein erster Anlaufpunkt. Ferner habe ich dann auf Du/Sie geachtet, auf kulturelle Werte, die im Gegensatz zum Gesuch an sich stehen. Dabei waren die Top-Punkte in sehr vielen Gesuchen immer wieder gleich:

  1. maskuline Titel – Beispiel: „Account Manager“
  2. Zu ausführliche und detaillierte Auflistungen unter den Überschriften „Aufgaben“ und „Qualifikation“
  3. Überschaubare Darstellung unter der Überschrift „Wir bieten“ – manchmal auch gar nicht vorhanden
  4. Sie/Du – Oftmals widersprüchlich (wirkte oft nach „Du“, war aber als „Sie“ geschrieben)

Ferner habe ich das Gesamtbild betrachtet und auf entsprechende Ungereimtheiten hingewiesen. Das krasseste Beispiel war auf einer Seite die Suche nach „DER Abteilungsleiter“ und „DIE Kassiererin“. Dabei hat das Unternehmen Diversität extra hervorgehoben. Das passt natürlich nicht in den Gesamtkontext.

Aufmerksamkeit und Reaktion

Ich habe diese Punkte dann genommen und die Unternehmen darauf aufmerksam gemacht. Ich habe die Inhalte mit Lösungen angereichert und bin an die Unternehmen herangetreten.

Die Reaktionen sind sehr unterschiedlich ausgefallen. Die Aktion habe ich Anfang Februar gestartet – auf vielen Unternehmensseiten hat sich nichts geändert. Das war damit auch schon die häufigste Reaktion: nichts.

Ein Unternehmer hat innerhalb von Stunden nach meinem Kontakt bereits mit Änderungen bei den „Low hanging fruits“ begonnen (falls du das hier liest: sehr cool!), mit anderen habe ich ein wenig diskutiert und philosophiert. Manche haben es angenommen und ins Unternehmen getragen. Eine „interessiert uns nicht“ Aussage war auch dabei.

Über die Aussage „freue ich mich immer wieder über einen unvoreingenommenen Blick von außen“ habe ich mich sehr gefreut. Da wird schon ersichtlich, dass auch ein Wechsel der Perspektive oft hilfreich sein kann.

Offensichtlich

Was ich daraus mitgenommen habe: es gibt Unternehmen, die sehr viel Wert auf die Stellengesuche und Karriere-Seiten legen.

Auch ist aber vielen Unternehmen der Spiegel der Unternehmenskultur und die damit verbundene Außenwirkung gar nicht so bewusst. Es wird noch so agiert, wie es in der Vergangenheit war. Der Bereich „Personal“ (oder leider auch „HR“) ist nicht der unterstützende Dienstleister im Unternehmen, der es eigentlich sein sollte.

Es scheint aber ebenso Unternehmen zu geben, die nicht die Arbeit an ihrer Kultur zu schätzen wissen. Das war der Punkt, den ich am erschreckendsten fand. Es ist also Unternehmen offensichtlich auch egal, wie sie nach außen wirken und wie es um ihre Kultur bestellt ist.

Meinungen

Ich habe dazu auch ein wenig bei anderen Menschen (bspw. Twitter) nach ihrer Meinung gefragt. Das erhaltene Feedback ging stark in ähnliche Richtungen: Stellengesuche und die Unternehmenskultur sind selten bis gar nicht deckungsgleich. Das Unternehmen verkauft sich, stellt sich besser da. Meistens unbewusst, denn wie schon einen Absatz vorher erwähnt, verpassen viele Unternehmen die Arbeit an der Kultur.

Was kann getan werden?

Einfache Antwort: am Unternehmen arbeiten. Zuhören, die Menschen im Unternehmen einbeziehen und die Kultur auf die Werte und dann letzten Endes auch auf die Stellenbeschreibungen anpassen. Es hängt alles zusammen, sodass es nicht nur einen Bereich in der Betrachtung gibt. Hierzu eine Grafik, die dies wunderbar darstellt:

Auswirkung von Stellen auf das Unternehmen

„Nachhaltigkeit sollte immer ein wirklicher Unternehmenswert sein!“

Stefan Wickenhäuser

Jedes Unternehmen hat seine eigene Kultur. Diese gilt es zu identifizieren und, falls sie eben nicht zum Unternehmen, bzw. den Werten passt, entsprechende Veränderungen vornehmen. Und ja, die gelebte Kultur kann auch die Werte des Unternehmens verändern. Ein Beispiel: wenn die Menschen im Unternehmen sehr großen Wert auf Nachhaltigkeit legen, dies noch kein eindeutiger Wert des gesamten Unternehmens war, kann dies durchaus einen zweiten Blick wert sein: vielleicht ist genau das auch ein Unternehmenswert, der bisher noch keine Berücksichtigung gefunden hatte? Persönliche Anmerkung: Nachhaltigkeit sollte IMMER ein wirklicher Unternehmenswert sein!

Die Arbeit am Unternehmen wird sich lohnen. Denn wenn wir Menschen uns im Arbeitsleben auf Augenhöhe begegnen wollen und mitarbeitende Menschen sich ihren Job und das Unternehmen aussuchen können, dann ist genau das ein logischer Schritt. Der sogenannte „War for talents“ ist dann nicht vorhanden.

Die Nebeneffekte einer tollen Kultur sind dann auch bei intensiveren Kundenbeziehungen spürbar (Außenwirkung), die Innovationskraft wird erhöht und Prozesse werden sich mehr und mehr in rahmengebende Prozesse auswirken. Wenn es das nicht wert ist?!

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