Allgemein Führung Kultur

American Football und Führung

In Coaching-Projekten mit Führungskräften begegne ich häufig der Aussage, dass Führungskräfte immer noch aktiv und operativ tätig sind. Sehr oft ist dies in Vertriebsorganisationen zu beobachten: Menschen (meist sehr gut im Vertrieb) haben eine Führungsperson erhalten, haben Verantwortung für mehrere Menschen, Budget, Strategie und Umsatz, aber auch immer noch die gleichen Aufgaben aus dem operativen Geschäft wie zuvor. Führung erfolgt damit also nebenbei. Warum das meistens keine gute Idee ist, zeige ich am Beispiel des Sports "American Football" auf.

In Coaching-Projekten mit Führungskräften begegne ich häufig der Aussage, dass Führungskräfte immer noch aktiv und operativ tätig sind. Sehr oft ist dies in Vertriebsorganisationen zu beobachten: Menschen (meist sehr gut im Vertrieb) haben eine Führungsperson erhalten, haben Verantwortung für mehrere Menschen, Budget, Strategie und Umsatz, aber auch immer noch die gleichen Aufgaben aus dem operativen Geschäft wie zuvor. Führung erfolgt damit also nebenbei. Warum das meistens keine gute Idee ist, zeige ich am Beispiel des Sports „American Football“ auf.

Warum American Football

Im deutschsprachigen Raum werden oft andere Sportarten als Beispiel verwendet. Fußball fällt hier den meisten Menschen als erstes ein. Aufgrund meiner Affinität zu Football (selbst aktiv gespielt und seit vielen, vielen Jahren begeisterter Zuschauer – Go 49ers!) und der andersartigen Struktur, dient meiner Ansicht nach American Football besser als Beispiel. Ich werde nicht auf Spielinhalte eingehen – das Regelwerk umfasst mehrere tausend Seiten – sondern mich auf die Analogie zur Führung in Unternehmen beschränken. Somit sind keine Grundlagen notwendig (wen es aber weiter interessiert, kann mich gerne kontaktieren – oder die demnächst startende NFL-Saison anschauen).

American Football eignet sich auch deswegen sehr gut, weil Laufbahnen und Karrieren besser als Vergleich herangezogen werden können. Und genau darum geht es auch hier.

Rollen

Im American Football gibt es natürlich zahlreiche Rollen. In diesem Beitrag will ich mich auf zwei konzentrieren: die Rolle des Team Captain und die des Head Coaches (Head Coach entspricht dem Trainer im Fußball). Im Vergleich dazu wird in der Führung meist einfach nur von einer Art der „Führung“ ausgegangen. Dadurch entstehen Missverständnisse.

Team Captain im American Football

Der Team Captain im American Football wird durch ein „C“-Patch am Jersey gekennzeichnet. Die Aufgaben sind:

  • Münzwurf (Coin Toss Procedures)
  • Auswahl zwischen den Optionen bei Strafen (Choice on Penalty Option)

Dies sind die geregelten zwei Hauptaufgaben im American Football. Die Ernennung zum Team Captain erfolgt entweder durch Wahl oder Benennung durch den Head Coach.

Team-Führungskraft im Geschäftsumfeld

Im geschäftlichen Umfeld erfolgen Beförderungen ausschließlich über die nächst höhere Instanz. In seltenen Fällen werden solche Beförderungen mit dem Team abgesprochen – eine Wahl findet nur selten bis gar nicht statt. Team-Führungskräfte werden meist installiert, um die direkte Berichterstattung zur nächsten Hierarchieebene zu minimieren und kanalisieren. Um beispielsweise ein Team mit 50 Menschen ohne benannte Teamführung zu führen, ist fast unmöglich – sofern die Menschen im Mittelpunkt stehen.

Die Aufgaben und die damit einhergehende Verantwortung wird meistens individuell, teilweise auch nicht explizit definiert. Team-Führungskräfte arbeiten meist in ihrem gewohnten Umfeld weiter und übernehmen zusätzlich die Führungsaufgaben.

Konflikt

Genau hier stehen die meisten Führungskräfte vor einem großen Problem: sie haben ihre reguläre Arbeit, die sie bisher zu 100% ausfüllte und übernehmen nun noch Führungsaufgaben, die ebenfalls Zeit benötigen. Wenn hier nun keine Entlastung der regulären Arbeit und eine Definition der Führungsverantwortung erfolgt, wird es zu Konflikten kommen. Denn im Vergleich zum American Football sind die Team Captain Aufgaben überschaubar, klar definiert und lassen sich parallel zum regulären Spielbetrieb ausführen. Es entstehen keine Konflikte.

Würde der Team Captain sich aber zusätzlich um Spielerbelange, Einsatz der Spieler, Spielzüge und um die Strategie kümmern, wäre eine Teilnahme als regulärer Spieler nicht mehr möglich. Hier befinden wir uns bei Aufgaben, die dem Head Coach unterliegen.

Genau das passiert aber sehr oft im geschäftlichen Umfeld. Dadurch entstehen Konflikte. Diese Mehrbelastung und Mehrarbeit führt dann letzten Endes zu Stress, zu Fehlern und zu einer allgemeinen Unzufriedenheit. Die Teamleiter*innen können sich weder auf die Leitungsaufgaben noch auf die operativen Aufgaben konzentrieren.

Head Coach

Der Head Coach trifft Entscheidungen und hat die letztendliche Verantwortung und Entscheidungskompetenz. Wird ein Spiel verloren, hat der Head Coach die falschen Entscheidungen getroffen. Gewonnene Spiele sind das Ergebnis des Teams und der Head Coach hat seinen Job richtig gemacht: mit den richtigen Entscheidungen und der Übernahme der Verantwortung das Spiel gewinnen.

Der Head Coach wird sich aber niemals einen Football-Helm schnappen und aktiv spielend in das Spiel eingreifen.

Zudem ist die Laufbahn eines Head Coaches meistens geprägt von nicht spielenden Erfahrungen. Der Head Coach ist Profi – als Coach. Die Laufbahnen der meisten Head Coaches ähneln sich:

In der Highschool und im College wird Football aktiv gespielt. Danach wird eine Assistenz-Trainerstelle in einer Highschool oder im College ausgeführt. Meist erfolgt dann eine Head Coach Position in einen dieser Bereiche. Sehr gute Coaches wechseln dann in die Profiliga, die NFL. Und hier nicht als Head Coach, sondern fast immer auch wieder als Assistenztrainer. Beispielsweise als Coach für Offense oder Defense. Oder als Coordinator.

Head Coaches haben also eine lange Laufbahn als Coach hinter sich. Sie haben diesen Beruf (!) gelernt, sich die dazu notwendigen Fähigkeiten angeeignet und wurden darin auch ausgebildet.

Führungskraft

Das geschäftliche Umfeld spielt ein wenig nach anderen Regeln. Die besten operativ aktiven Mitarbeiter*innen werden befördert – zu einer Führungskraft (Peter-Prinzip: Zur Unfähigkeit befördert). Die Ausbildung und das Erlernen der Fähigkeiten erfolgt dann meist nebenher – im besten Fall in ein paar Führungskräfteseminaren. Und oftmals passiert es dann, dass Führungskräfte parallel noch operativ tätig sind.

Damit sind Führungskräfte Menschen, die aus einer operativen Tätigkeit in eine strategische und für Menschen verantwortliche Position wechseln – aber eben meist ohne die notwendige Aus- und Weiterbildung.

Wenn eine Führungskraft wechselt, erfolgt fast auch immer ein Aufstieg auf die nächste Ebene. Im Vergleich zum Football, wo auch Schritte zurück gemacht werden, passiert das im beruflichen Umfeld äußerst selten.

Konflikt

Oft begegne ich Führungskräften, die eben keine klar geregelte Umgebung haben. Oder wo ein entscheidender Faktor fehlt: Verantwortung. Beispielsweise die Verantwortung über die Mitarbeiter*innen. Neue Einstellungen, Wechsel oder auch Kündigungen – oftmals nicht vorhanden. Budgetverantwortung gibt es oftmals auch nur in sehr begrenztem Maße – oder muss vorher genehmigt werden. Das ist keine Verantwortung.

Und ohne Verantwortung, wie es ein Head Coach hat, können nur bedingt Entscheidungen getroffen und letzten Endes Spiele auch nur bedingt gewonnen werden. Das birgt enormes Konfliktpotential.

Mitnehmen

Wir haben nun zwei unterschiedliche Führungsausgaben im American Football kennen gelernt. Den Weg betrachtet und gesehen, dass hier klare Aufgaben definiert sind und Verantwortung unterschiedlich vorhanden ist.

Im beruflichen Umfeld finden wir solche Klarheit nur selten vor. Auch der Weg zu einer Führungskraft und die vertiefende Ausbildung in den Beruf „Führungskraft“ erfolgt noch meist sehr rudimentär.

Auch die Erwartungshaltung an Führungskräfte ist oft unterschiedlich: eine Führungskraft kann operativ nur schwer tätig sein. Eine Team Captain Position ist, mit entsprechend klar geregelten Aufgaben und ggf. Anpassung der operativen Tätigkeiten durchaus möglich.

Führungskräfte benötigen eine klar geregelte und transparente Umgebung. Sie brauchen Verantwortung (!) und die Freiheit, Entscheidungen treffen zu können.

Operative Aufgaben haben bei einer wirklichen Führungskraft im Normalfall nichts verloren (Achtung: es gibt immer Ausnahmen; bspw. Startups und kleinere Unternehmen können oftmals davon abweichen). Denn dadurch fehlt die Konzentration auf ihre originären Aufgaben. Und auf das letztendliche Ziel – und das haben Führungskräfte und Head Coaches wieder gemein: das Spiel gewinnen!

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