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Grillabend

Mit diesem Beitrag und dem darin enthaltenen Szenario möchte ich auf die kulturelle Verankerung und Einstellung zum Thema "Arbeit" eingehen. Als Vorbereitung stellen wir uns ein mittelständisches Unternehmen vor. Inhaber/in geführt, 170 Mitarbeiter, produzierende Güter und nicht in einer Großstadt sondern am Land beheimatet. Also eines von den Unternehmen, die es zuhauf in Deutschland gibt und den Mittelstand sehr stark prägen. 

Mit diesem Beitrag und dem darin enthaltenen Szenario möchte ich auf die kulturelle Verankerung und Einstellung zum Thema „Arbeit“ eingehen. Dafür baue ich zuerst kleines Bild auf, in das man sich ganz gut hineinversetzen kann. Viel Spaß beim lesen – und vielleicht auch etwas bei sich selbst, bzw. dem eigenen Umfeld erkennen!

Vorbereitung

Als Vorbereitung stellen wir uns ein mittelständisches Unternehmen vor. Inhaber/in geführt, 170 Mitarbeiter, produzierende Güter und nicht in einer Großstadt sondern am Land beheimatet. Also eines von den Unternehmen, die es zuhauf in Deutschland gibt und den Mittelstand sehr stark prägen.

Das Unternehmen gibt es schon recht lange. Es ist also ein gewachsenes Unternehmen. Dem Unternehmen geht es an sich gut. Aber man merkt schon, dass sich die Welt verändert:

  • Neue Mitarbeiter sind schwierig zu finden
  • Nachwuchs bei den Mitarbeitern ist noch schwieriger
  • Geschäftsleitung wird bald an die nachkommende Generation weitergegeben
  • Produkte sind nur auf einen Markt zugeschnitten – dieser bestehende Markt wird sich verändern
  • Entscheidungen brauchen lange – zu lange
  • Wachstum und Veränderung ist schwer möglich

Zubereitung

Dies wird dem Unternehmen klar. Die Geschäftsleitung hat sich externe Unterstützung geholt, um genau jetzt am eigenen Unternehmen zu arbeiten. Es soll aber nicht von oben nach unten vorgegeben werden. Das gesamte Unternehmen, also alle Mitarbeiter, sollen mit einbezogen werden.

Es wird gemeinsam in Workshops gearbeitet, mit Ideen jongliert, neue Formate ausprobiert, Kunden befragt und mit einbezogen und es wird transparent und offen mit der eintretenden Veränderung umgegangen. Die Mitarbeiter machen gerne mit, da sie aktiv eingebunden werden.

Mit Kunden wird an neuen und innovativen Produkte gearbeitet und das Unternehmen soll sich mehr und mehr auf eben diese (Kunden) ausrichten. Daher wird gemeinsam beschlossen, dass die bestehenden Hierarchien so nicht mehr weiter existieren können. Das Ergebnis sieht wie folgt aus:

  • Eigenständig und selbstverantwortlich arbeitende Teams
  • Struktur gibt es so nicht mehr
  • Keine Visitenkarten
  • Titel nur noch inhaltsorientiert
  • Gehälter werden offen und transparent abgestimmt
  • Status (Firmenwagen, eigene Büros, besondere Ausstattungen, etc.) werden abgeschafft – alle erhalten die gleiche Infrastruktur
  • Arbeitsplätze werden aufgabenorientiert gestaltet (freie Wahl, parallel aber auch feste Plätze)
  • Arbeitszeit erfolgt nach Vertrauen (ergibt sich automatisch, da Aufgaben- und Inhaltsorientiert gearbeitet wird)
  • Arbeitsort erfolgt ebenfalls auf Vertrauensbasis
  • Es wird immer vom Kunden aus gedacht

Natürlich erfolgt das nicht von heute auf morgen – manches braucht Zeit, andere Dinge weiterhin externe Unterstützung und wieder andere Punkte werden verändert und dann erst eingeführt – die Veränderung lebt!

Samstagabend

Nun stellen wir uns den ersten Samstagabend nach dem Beschluss der oben genannten Punkte vor. Eine (noch) Führungskraft hat Abends Freunde zu einer Grillparty eingeladen. Das Wetter ist top, Getränke sind kalt und das Essen bereit für den Grill. Es kommen ca. 20 Menschen zusammen. Es ist ein wilder Mix an Menschen, eben ein typischer Abend.

Es wird gegrillt, getrunken, gelacht und gegessen. Irgendwann erzählt die Führungskraft euphorisch von den Veränderungen im Unternehmen und was es für Auswirkungen hat: der Firmenwagen wird abgegeben, feste Arbeitsplätze gibt es (fast) nicht mehr, Bonuszahlungen werden allgemein und nicht mehr individuell ausgerichtet und ins Büro müsste man eigentlich auch nicht mehr fahren.

„Steht es so schlimm um euch?“

Die Runde wird relativ ruhig und es gibt ein paar mitleidige Blicke. Eine kurze und unangenehme Stille entsteht. Bis einer der Gäste fragt: „steht es so schlimm um euch? Brauchst du einen neuen Job? Ist etwas vorgefallen? Wenn du Hilfe brauchst, wir sind da!“

An und für sich eine schöne Geste. Aber leider nicht passend.

Dessert

Was ist da eben genau passiert?

Im Grunde nichts anderes, als ein Missverständnis. Bilder, die im Kopf entstehen. Eine gelebte Kultur, die auf einmal auf den Kopf gestellt wird.

Seit vielen Jahren, seit Generationen wird nach dem Schema „Schule – Ausbildung – Beruf – Karriereleiter“ gearbeitet. Es ist das Ziel von vielen Menschen nach „oben“ zu steigen. Da passt das Bild einer veränderten Struktur nicht hinein. Daher ist die Reaktion ganz normal und auch nachvollziehbar.

Natürlich erklärt die (ehemalige) Führungskraft, was das insgesamt bedeutet. Und es werden von den Gästen auch einige nachvollziehen können. Manche aber nicht.

Und genau das ist ein typisches Sinnbild für unsere Gesellschaft. Veränderungen, so elementare, brauchen Zeit. Menschen müssen dabei an die Hand genommen werden, die Veränderungen müssen erklärt und anfassbar gemacht werden. Und es muss gemacht werden! Lasst uns also anders denken und ins Machen kommen!

 

 

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