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Freiwillig Home Office

In diesem Beitrag wird es um alternative Anreize für Unternehmen gehen. Auf ein wenig Freiwilligkeit zu setzen - das funktioniert nicht. Die Gründe werde ich hier erläutern.

In dieser Woche gab es in Bayern einen sogenannten „Home Office-Gipfel„. Er wurde mit Spannung erwartet und die Ergebnisse sind enttäuschend.

In diesem Beitrag wird es um alternative Anreize für Unternehmen gehen. Auf ein wenig Freiwilligkeit zu setzen – das funktioniert nicht. Die Gründe werde ich hier erläutern.

Für immer Home Office

Das ist natürlich eine überspitzte Aussage: „für immer Home Office“. Selbstverständlich ist das persönliche Miteinander extrem wichtig. Daher sind solche Pauschalisierungen nicht sinnvoll. Interessanter wäre schon die Behauptung, dass der Standard Home Office und die Ausnahme Büro sein sollte (Hybrides Office – noch besser wäre das Mobile Office – lasse ich aber nun mal der Einfachheit außen vor). Das bedeutet aber umdenken. Es werden neue Raumkonzepte benötigt, die Unternehmenskultur muss dazu passen/sich verändern, natürlich muss der Arbeitsinhalt passen und Menschen in Führungsrollen müssen sich verändern.

Problem 1: Führung

Gerade der letzte Punkt ist ausschlaggebend. In den letzten Wochen habe ich zahlreiche Gespräche dazu geführt. In Unternehmen mit wenig Home Office liegt dies meistens an den Menschen mit Führungsrolle (vgl. „Vorgesetzt„). Mal fehlt es an Vertrauen („es wird zu Hause weniger gearbeitet“), mal an Kommunikation („ich brauche jemanden zum reden“), mal Kontrollzwang („nur wer hier ist leistet auch“) und mal ist es einfach mangelnde Vorstellungskraft. Hier besteht dringender Handlungsbedarf. Dazu gilt zu beachten, dass Menschen in einer Führungsrolle oftmals nicht Führung gelernt haben. Dies gilt es dringend nachzuholen.

Problem 2: Kultur

Auch die Unternehmenskultur ist natürlich relevant. Wenn das Unternehmen nach dem Prinzip „wer als erstes geht, leistet nichts“ tickt, wird dies auch so im Home Office weiterführen. Dann vertrauen die Mitarbeiter:innen sich untereinander nicht. Dies führt zu Problemen und wirkt sich letzten Endes tatsächlich auf die Produktivität aus.

Dies ist, neben der Führungsrolle, ein sehr großes und relevantes Problem. Vor allem lässt sich eine Kultur nicht so einfach verändern. Das braucht Zeit. Die gute Nachricht ist, dass es aber möglich ist!

Problem 3: Gleiche Betrachtung

Ich lese und höre öfter von „mangelnder Kreativität“ im Home Office. Zusammen an einer Wand stehen und neue Ideen entwickeln ist schwierig. Dies ist ein sehr individuelles Thema und basiert auf den persönlichen Erfahrungswerten. Man erinnert sich gerne an die Dynamik im Team, als man zusammen an weißen Wänden stand und Post-its geklebt hat.

Kreativität nutzt das Miteinander und das gemeinsame Arbeiten an Zielstellungen und Problemen. Die Annahme ist dann oft, dass man eben das Erlebte und die bestehenden Tools und Werkezuge in die Home Office Welt 1:1 überführen möchte. Das klappt nicht und verhält sich wie mit Online-Meetings zu persönlichen Meetings (vgl. „Bitte kein Online-Meeting!„).

Auf jeden Fall ins Home Office!

Es gibt also durchaus relevante Probleme, die gegen Home Office sprechen. Genau diese Probleme sind nun das Ergebnis daraus, dass es keine Verpflichtung für Unternehmen gibt. Anstelle dessen wird auf Freiwilligkeit gesetzt. Dies funktioniert aber nicht, da Unternehmen mit obigen Problemen dadurch keine wirklichen Anreize erhalten.

Inspirationslose Politik

Die Politik zeigt sich dabei in ihrer gewohnt inspirationslosen Rolle. Anstelle von mutigen Konzepten, wirklichen Anreizen, Unterstützung und vielleicht auch einer Verordnung, begegnet man in Bayern mit Mitteln wie steuerlichen Anreizen. Dies wird aber den Problemen in Unternehmen nicht gerecht. Es sind Mittel, die einfach aber eben ohne Nachhaltigkeit und Sinnhaftigkeit angeboten werden. Für Unternehmen ist das kein Anreiz.

Nachhaltige Lösungen

Die Politik hat es im vergangenen Jahr schon einmal versucht (und ist gescheitert): es gab für KMU einen Ansatz, dass diese Beratungsleistungen bis zu EUR 4.000,- verwenden können. Inhalt sollten bspw. Veränderungen im Geschäftsmodell, neue Produkte, etc. sein.

Der Ansatz war gut, die Umsetzung (beim BAFA) leider nicht: finanzielle Mittel zu klein, zu viele Anträge und zu lange Prüfung der Anträge. Aber der Ansatz war grandios!

Wie wäre es nun also, wenn es eine Verpflichtung für Home Office (natürlich in den Bereichen, in denen es möglich ist) gibt. Dabei werden aber die Unternehmen und Menschen nicht alleine gelassen: Menschen mit Führungsverantwortung erhalten Coachingleistungen, Menschen im Home Office Mentoren:innen, für neue Konzepte (bspw. Kreativität über digitale Medien) gibt es Berater und Moderatoren und für Familien gibt es entsprechende Familiencoaches. Das Ziel ist jeweils dabei eine direkte und nachhaltige Hilfe:

Das kommt dabei raus

Menschen in Führungsverantwortung werden in ihrer Rolle unterstützt. Sie bekommen Menschen an die Hand, die ihnen Führung vermitteln, sie unterstützen und bei einer vertrauensvollen und zukunftsorientierten Führung helfend zur Seite stehen.

Die Kultur wird mit Mentorinnen und Mentoren in ihrer Anpassung und Veränderung unterstützt. Probleme werden gelöst und eine nachhaltige Unternehmenskultur wird etabliert – und wenn es nur der Start dafür ist! Irgendwann muss man damit mal anfangen.

Neue Werkzeuge, Tools und Methoden werden mit Unterstützung von Beratern und Moderatoren benutzt. Ein Meeting, welches vor Ort durchgeführt wurde, wird meist nicht online genauso funktionieren. Oft hilft schon eine externe Moderation und für neue Tools und Werkzeuge können Berater:innen mit hinzugezogen werden. Alleine sich um solche Dinge kümmern, das schreckt momentan ab.

Und für Familien stehen Familiencoaches zur Verfügung. Home Office, Kita und/oder Homeschooling sind sehr schwer miteinander zu verbinden, bzw. teilweise unmöglich. Hier kann aber Coaching unterstützen, damit man nicht alleine gelassen wird. Es ist einfach ein unglaublicher Mehraufwand – für alle. Aber auch hier schließt sich der Kreis zu der ersten Gruppe, den Führungskräften. Diese kennen die Herausforderungen und können individuelle Konzepte entwickeln, sodass die Familien entsprechend entlastet werden.

Allen ist geholfen

Natürlich kostet das erstmal Geld. Wird sich aber auszahlen, da die Menschen im Vordergrund stehen und somit die psychische Belastung nicht weiter ausgereizt (und damit das Krankenkassensystem belastet wird) werden.

Gleichzeitig werden Unternehmen modernisiert und in eine Veränderung bewegt, die ein tragfähiges Zukunftsmodell ist. Damit ist die Wahrscheinlichkeit von Insolvenzen niedriger und somit auch die Belastung der Sozialkassen.

Für Menschen in den Feldern Beratung, Coaching, Mentoring und Sparring ergeben sich neue Aufträge und auch hier werden die Sozialkassen oder Töpfe wie Überbrückungsgelder entlastet.

Es hat auf allen Seiten eine positive Wirkung. Ach ja, nebenher kommen durch weiniger Fahrten klimafreundliche Ziele in greifbare Nähe, Büros werden zukünftig in Frage gestellt und damit wird Platz für andere Verwendungszwecke (Wohnraum) frei und der persönliche Kontakt und das eigentliche Ziel der Kontaktreduktion wird erreicht. Wäre einen Versuch wert.

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